Octavian

Der Machtkampf zwischen Octavian und Antonius

1. Der Machtkampf zwischen Antonius und Octavian

"Schmilz in den Tiber, Rom! Der weite Bau
Des festen Reichs, zerbrich! - Hier ist meine Welt!
Throne sind Staub. Die kot`ge Erde nährt
Mensch wie Tier. Des Lebens Adel nur
Darf tun wie wir."
[2]

"Die Welt war seit den Tagen von Brundisium (40 v. Chr.) in zwei Teile geteilt".[3] Als Anführer des Triumvirats galt der erfahrenere Marcus Antonius.
Was passierte also zwischen den Jahren 40 bis 31 vor Christus?
Wie konnte Octavian in dieser Situation politisch Fuß fassen?
Diese Frage ist zentraler Bestandteil der vorliegenden Arbeit. Dargestellt werden die Mittel des Octavian zur Machtsicherung: Agitation gegen Antonius und Reklamation der Tradition für die eigene Sache. Der spätere Kaiser war durch sein Wirken in Rom wesentlich stärker an römisches Recht gebunden als Antonius im Osten. Deshalb untersucht diese Arbeit staatsrechtliche Fragen vor allem im Hinblick auf die Legalität Octavians.
Brach er geltendes Recht, glich sein Verhalten 32 v. Chr. einem Staatsstreich?
In wieweit musste er das Recht beugen, Vorgänge falsch darstellen, um seine faktische Macht juristisch zu unterfüttern?
Es soll aufgezeigt werden, dass Octavian der skrupellosere der beiden Triumvirn war. In entscheidenden Momenten zeigt sich bei dem jungen Mann ein erstaunliches Gespür, Situationen richtig einzuschätzen und zu nutzen. In diesen Momenten zögert Octavian nicht und geht zur Sicherung der Macht nicht nur sprichwörtlich über Leichen. Er ist noch weit entfernt von dem späteren Friedenskaiser, die überraschende Wende scheint unmittelbar mit der Verleihung des Augustustitels zusammenzuhängen. Gnade kann sich Octavian noch nicht leisten.
Und er findet in Antonius einen Gegner, der an entscheidenden Stellen Schwächen zeigt. Die großen Fehler des alten Freundes Caesar sollen in dieser Arbeit ebenfalls aufgezeigt werden. Er, der vermeintlich die Republik wieder herstellen möchte, zögert in Momenten, in denen er das ganze Reich haben könnte.
Da bekanntlich nur die Sieger Geschichte schreiben, überwiegen Darstellungen Octavians in den Quellen. Nicht hoch genug einzuschätzen sind die ausführlichen Beschreibungen des Cassius Dio. Seine "Römische Geschichte" ist objektiver als die "Res gestae" des Augustus und zuverlässiger als Suetons "Augustus". Gerade für dieses Thema war auch die Sichtweise des Antonius, wie Plutarch sie erzählt, hilfreich. Allenfalls ergänzend kann die "Römische Geschichte" des Velleius Paterculus genannt werden.
Die Forschung hat an den wichtigen Stellen interessante Kontroversen hervorgebracht. Allerdings zeigt die Staatsstreichdiskussion exemplarisch wie sich an den Autoritäten des Faches entlang gehangelt wird. Der Meinung Mommsens widersprach Kromayer und fortan ordneten sich viele Wissenschaftler entweder der einen oder der anderen Meinung zu. Zwischentöne wie von Girardet sind selten. Einige neuere Bücher halten die Diskussion anscheinend für abgeschlossen[4] und wenden sich anderen Themen zu. Einzig Jochen Bleicken scheint in neuester Zeit den Autoritäten der Geschichtswissenschaft noch widersprechen zu wollen. Generell ist natürlich zu sagen, dass dieses Thema sehr ausführlich in der Literatur behandelt, allerdings auch von pseudowissenschaftlichen Trittbrettfahrern genutzt wurde.

[3] Bengtson, H.: Marcus Antonius. Triumvir und Herrscher des Orients. München 1977, S. 217.

[4] z.B.: Bringmann, K. und Schäfer, Th.: Augustus und die Begründung des römischen Kaisertums, Berlin 2002.
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